Friemann
Familie Runge · mütterliche Linie
Vom Glasofen
ins Ruhrgebiet
Vier Generationen bewahrten ein anspruchsvolles Handwerk und trugen es aus dem Paderborner Land in die industrielle Welt von Essen-Steele.
Westfälische Glasmachertradition und Glashütte Wisthoff · historische RekonstruktionEin Handwerk über Generationen
Feuer, Atem und Erfahrung
Glas entstand nicht allein aus Rohstoffen, sondern aus weitergegebenem Wissen.
Die bekannte Runge-Linie beginnt im westfälischen Glasmachermilieu. Johann Christoph Runge arbeitete in Neuenbeken bei Paderborn, einem alten Zentrum des Handwerks. Sein Sohn Heinrich Karl und sein Enkel Heinrich Carl hielten am Beruf fest.
Mit Heinrich Carl gelangte die Erfahrung ins Ruhrgebiet. In Essen-Freisenbruch erscheint er zunächst als Glasarbeiter, später als Glasbläser und Glasmacher. So wurde ein vorindustrielles Wanderhandwerk Teil der neuen städtischen Arbeitswelt.

Drei räumliche Phasen
Von Westfalen nach Essen
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lagen die familiären Stationen im Herzogtum Westfalen, in Schlangen und in Neuenbeken. Glashütten benötigten große Mengen Holz und lagen deshalb häufig in waldreichen Gebieten.
Zwischen etwa 1850 und 1900 verlagerte sich der Lebensmittelpunkt nach Essen-Freisenbruch, Steele und Königssteele. Im 20. Jahrhundert blieben viele Nachkommen in Essen und der näheren Umgebung – unter anderem in Mülheim, Neviges und Gütersloh.
Die Berufslinie
Vier Generationen am Glas
Die Berufsangaben machen eine bemerkenswerte Kontinuität sichtbar. Zugleich veränderte sich der Arbeitsplatz: aus der kleineren waldnahen Hütte wurde die industrielle Glasfabrik.
- 01Johann Christoph RungeGlasmacher in Neuenbeken bei Paderborn
- 02Heinrich Karl Rungeführte die westfälische Glasmachertradition fort
- 03Heinrich Carl RungeGlasarbeiter, Glasbläser und Glasmacher in Essen-Freisenbruch
- 04Caspar Hubertus Alois RungeGlasbläser auf der Glashütte Wisthoff ab 1903
Eine Ehe durch ein Jahrhundert der Brüche
Alois und Christina
Caspar Hubertus Alois Runge wurde 1873 in Königssteele geboren. Seit 1903 arbeitete er als Glasbläser auf der Glashütte Wisthoff. Die Arbeit an Ofen und Glasmacherpfeife verlangte Kraft, Genauigkeit und langjährige Erfahrung.
Am 16. Januar 1901 heiratete er Christina Groß. Ihre Ehe bestand fünfzig Jahre; am 16. Januar 1951 feierten beide Goldhochzeit. Alois starb 1953, Christina 1954. Ihre Geschichte steht für den Zusammenhalt einer katholischen Arbeiterfamilie, die Industrialisierung, wirtschaftliche Krisen und zwei Weltkriege erlebte.

Steinhagen 6 · Essen-Steele
Elf Kinder unter einem Dach
Ein großer Haushalt, enge Wohnverhältnisse und ein tragfähiges Netz aus Verwandten, Nachbarn und Taufpaten prägten den Alltag.
- 01Carl Hubertus
- 02Peter Alois Hubertus
- 03Josef Hubertus
- 04Wilhelm Hubertus
- 05Laurenz Hubertus
- 06Maria Katharina
- 07Johannes Maria
- 08Franziska Christine
- 09Gertrud
- 10Frieda Maria Elfriede
- 11Anna Luise Isabel

Mütterliche Vorfahren
Drei Generationen – eine mütterliche Linie
Christina Groß, ihre Tochter Maria Katharina Runge und deren Tochter Christine Brandt stehen für drei aufeinanderfolgende Generationen, durch die sich die Familien Runge, Brandt und Friemann miteinander verbinden.
Christina gründete mit Alois Runge die große Familie in Essen. Maria Katharina heiratete 1931 Peter Wilhelm Brandt; Christine Brandt verband diese Linie 1954 durch ihre Ehe mit Hans Willi Friemann mit der Familie Friemann. So führt der Weg vom westfälischen Glasmacherhandwerk über die Familie Brandt bis zu Jürgen und Markus Friemann.
Aus einem Hinweis wird Gewissheit
Eine Spur führt zu elf Kindern
Eine entscheidende Quelle dieses Familienzweiges war die Auskunft des Hauses der Essener Geschichte/Stadtarchivs vom 8. März 2021.
Bei unseren Recherchen zur Familie Runge nutzten wir auch die Facebook-Gruppe „Ahnenforschung in Nordrhein-Westfalen“ als Informationsplattform. Dort erhielten wir einen zunächst noch vagen Hinweis auf Christina Groß, die Ehefrau von Caspar Hubertus Alois Runge. Der Hinweis war nicht ausreichend belegt, gab uns aber die entscheidende Richtung für eine vertiefte Suche.
Eine Anfrage beim Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv brachte Klarheit. Die Auswertung der Meldekarte und ergänzender Heirats- und Sterbeeinträge bestätigte die familiären Zusammenhänge. Aus den Archivalien ging hervor, dass aus der Ehe elf Kinder hervorgegangen waren und eines von ihnen bereits früh verstorben war.
Aus einer einzelnen, zunächst unsicheren Namensspur entstand so das Bild einer großen Familie. Die Archivmitteilung führte über Berufsangaben, Eheschließungen, Wohnorte und weitere Nachkommen in die folgenden Generationen. Dadurch ließ sich die Runge-Linie wesentlich genauer mit den Familien Brandt und Friemann verbinden.
Das Stadtarchiv Essen war für uns nicht nur in diesem Fall, sondern über viele Jahre hinweg eine außerordentlich wertvolle Quelle. Seine Bestände und die hilfreichen Auskünfte der Mitarbeitenden haben zahlreiche Verwandtschaftsverhältnisse geklärt und unserer gemeinsamen Familienforschung immer wieder neue Wege eröffnet. Dafür gilt dem Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv unser besonderer Dank.
Quellen: Hinweis aus der Facebook-Gruppe „Ahnenforschung in Nordrhein-Westfalen“; schriftliche Auskunft und Meldekarte des Hauses der Essener Geschichte/Stadtarchivs, Tagebuchnummer 41-3-515/21; ergänzend Personenstandsunterlagen, genealogische Ahnentafeln, die Präsentation zu Band 2 sowie Familienchronik Band 2, insbesondere die Seiten 140–176. Historische Einordnungen und Rekonstruktionen sind als solche gekennzeichnet.